Die CeBIT ist Geschichte

Gestern kam es wie ein Paukenschlag: Die CeBIT wird eingestellt. Bereits im kommenden Jahr wird es keine Messe mehr geben. Diese Entscheidung kam für uns alle überraschend. Nur neun Tage vor dem Aus veröffentlichte die Messe AG in einer Pressemitteilung, dass es auf der CeBIT den neuen Ausstellungsbereich Digitized Services geben würde. Und plötzlich – nichts geht mehr. Bevor ich meine Gedanken dazu ausbreite, hier erst einmal die aktuelle Pressimitteilung von gestern, die das Ende der einstmals größten IT-Messe der Welt verkündete:

„Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen für die CEBIT 2019 bereinigt die Deutsche Messe ihr Veranstaltungsportfolio. Die industrienahen Digitalthemen der CEBIT werden in der HANNOVER MESSE weitergeführt, für die übrigen Themenfelder der CEBIT sollen inhaltlich spitze Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an Entscheider ausgewählter Branchen richten, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mit.

Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre zeigte, dass eine Horizontalmesse wie die CEBIT in der digitalen Wirtschaft zunehmend auf rückläufige Nachfrage stößt. Da die Innovationsschritte durch die Digitalisierung vor allem in den Anwendungsbranchen greifen, ist Digitalisierung bei nahezu allen Branchenfachmessen das beherrschende Thema. Dies beeinflusst die Messepolitik der Unternehmen, die zu den klassischen Kernausstellern der CEBIT gehören. Sie nutzen immer häufiger die Branchenmessen der Anwender als Plattform für Geschäftsanbahnung.

„Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die thematische Überschneidung von HANNOVER MESSE und CEBIT diskutiert. Wir werden daher die Themen überführen, die inhaltlich zur klaren Ausrichtung der HANNOVER MESSE passen“, sagte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, am Mittwoch in Hannover. In den nächsten Wochen werde zudem intensiv mit dem Digital-Markt geprüft, welche Themen Potenzial für fokussierte Fachmessen aufweisen.

Das neue Konzept der CEBIT, das auf den Dreiklang aus Messe, Konferenz und Festival setzte, konnte den Abwärtstrends der Besucherzahlen nicht stoppen. Da auch der Negativtrend bei den Flächenbuchungen über alle Themensegmente hinweg nicht aufgehalten werden konnte, werde die CEBIT künftig nicht mehr ausgerichtet.

Deutsche Messe AG Vorstand Oliver Frese bat das Aufsichtsratspräsidium um Entbindung von seinen Aufgaben zum 31. Dezember 2018. Das Gremium gab diesem Ersuchen statt. „Wir nehmen die Entscheidung von Herrn Frese mit Bedauern und Respekt zur Kenntnis. Es ist sehr bedauerlich, einen so erfahrenen Messemacher und Vorstand zu verlieren. Frese hat sich bei der Deutschen Messe viele Jahre für das Veranstaltungsportfolio verdient gemacht, zuletzt als für die CEBIT verantwortlicher Vorstand“, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. „Gerade mit dem neuen Konzept der CEBIT hat Frese Mut, Innovationskraft und Pioniergeist bewiesen. Der weitere Nachfragerückgang bei der neuen CEBIT ist umso bedauerlicher, gleichzeitig zeigt er aber auch, dass die CEBIT- Idee in der gesamten Wirtschaft angekommen ist und aufgenommen wurde. Die in ihr repräsentierten Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz etc. werden inzwischen als Querschnittsaufgabe wahrgenommen – was auch ein Erfolg der CEBIT ist.“

Die Bedeutung der CEBIT im Veranstaltungsportfolio und im wirtschaftlichen Ergebnis hatte sich bereits in den vergangenen Jahren relativiert. „Wir haben durch viele andere starke Veranstaltungen und das stringente Wachstum im Auslandsgeschäft die Deutsche Messe als Unternehmen sicher und solide aufgestellt“, sagte Köckler. Die Marke CEBIT soll bei den Veranstaltungen im Ausland weiter genutzt werden.“

33 Jahre hat es die CeBIT gegeben und von 1992 bis 2017 war ich in jedem Jahr dort, 2018 konnte ich die Messe wegen einer Terminüberschneidung leider nicht besuchen. In den ersten Jahren war ich als Besucher in Hannover, vier Jahre habe ich Standdienst für Microsoft gemacht und dann kam ich als Journalist auf die CeBIT. Ich habe jedes Wetter erlebt, von starkem Schneefall bis hin zu den ersten Sommertagen, die es in diesen Jahren gab. Ich habe in den ersten Tagen Besucherzahlen erlebt, die zu einem solchen Gedränge führten, dass es glatt eine Stunde benötigte, um durch eine Halle zu kommen. In den letzten Jahren konnte ich mich aber recht beliebig durch die Hallen bewegen.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Messe auch immer kleiner. Viele Hallen wurden gar nicht mehr belegt und die Messe wurde von ursprünglich acht Tagen auf fünf Tage verkürzt. Die verringerten Ausstellerzahlen sind mir aber eher nebenbei aufgefallen. Anfangs wurden im Convention Center viele Vorträge gehalten, bei denen die Vortragenden einzelne Themen qualifiziert behandelten. Für mich war dieses Konferenzprogramm das Highlight der Messe. Das sah wohl auch die Geschäftsführung so und begann vor einigen Jahren, den Konferenzteil der CeBIT auszubauen und auch sehr hochwertige Sprecher einzuladen. Leider machen große Namen noch keine gute Konferenz. Es fehlte dort der rote Faden und es erschien mir ziemlich zusammengestückelt. Ich glaube, da wurde eine große Chance vertan, aus der Messe das ultimative Branchentreffen zu machen.

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