HPI: Mädchen an die Tastatur

Dass Frauen in der IT deutlich unterrepräsentiert sind, ist eine Binsenweisheit. Eine logische Erklärung habe ich dafür nicht. Daher begrüße ich auch eine Initiative des Hasso Plattner Instituts, mehr Mädchen für die Bildschirmarbeit zu begeistern. Um den Frauenmangel in der IT intelligent zu bekämpfen, haben heute das Hasso-Plattner-Institut und seine Bachelorstudentin Lisa Ihde (20) der deutschen Bundesbildungsministerin Prof. Johanna Wanka auf der „Männer-Messe“ CeBIT versprochen.

Einen ersten speziellen Onlinekurs für Mädchen, der Schülerinnen an die Informationstechnologie heranführen soll, hat das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) im Beisein von Bildungsministerin Prof. Johanna Wanka angekündigt. Am Eröffnungstag der CeBIT nahm Wanka vor der Kamera auf dem HPI-Stand (Halle 6, D18) ein Grußwort an die Teilnehmerinnen auf, die ab 6. Juli den zweiwöchigen kostenlosen Online-Workshop auf der Bildungsplattform openHPI des Instituts mitmachen werden. Institutsdirektor Prof. Christoph Meinel sagte: „Wir hoffen, dass gerade die Schülerinnen im deutschsprachigen Raum die Botschaft der Bildungsministerin als klare Einladung zum Mitmachen verstehen“.

Initiatorin und HPI-Bachelorstudentin Lisa Ihde (20) aus Potsdam stellte Wanka ihr Konzept vor. „Ich finde es sehr wichtig, dass auch Politikerinnen Mädchen und junge Frauen aktiv motivieren, die Informatik für sich zu entdecken“, so Ihde, die aus Oranienburg stammt. Sie habe sich mit Wanka darüber unterhalten, warum bei vielen Schülerinnen die Begeisterung für das Programmieren zunächst ausbleibe: „Meiner Erfahrung nach liegt das nicht so sehr an den Inhalten, sondern an der Ansprache. Mädchen interessieren sich häufig eher für die kreativen, gestalterischen Möglichkeiten, die die Informatik bietet“, erklärte Ihde.

Vom 6. Juli an will sie zwei Wochen lang jungen Frauen auf openHPI zeigen, wie diese eine eigene Homepage designen können. „Zur Zielgruppe gehören Mädchen, die als Weltenbummler ihre Erfahrungen und Fotos auf einer eigenen Webseite teilen wollen, sich in Fashionblogs über neueste Mode-Trends informieren und vielleicht in einem eigenen Blog ihre persönlichen Lieblingsstücke präsentieren möchten“, sagt Ihde. Im Blick habe die Bachelorstudentin, die in der Freizeit gerne tanzt, aber auch Schulklassen mit dem Wunsch nach einer eigenen Internetseite, „auf der jeder auf einen Blick seht, was in den nächsten Wochen so ansteht und was auf Klassenfahrt nicht fehlen darf“.

Da haben wir es wieder. Eigentlich soll die Initiative die jungen Frauen ermutigen, die überkommenen Rollenklischees hinter sich zu lassen. Und dann hat die Initiatorin keine bessere Idee für die Teilnehmerinnen an dem Onlinekurs als Themen wie Beauty und Mode zu wählen. Ich kann nur hoffen, dass die Teilnehmerinnen mit besseren Ideen für den Content auftrumpfen. Aber ich will die Initiative nicht schlechtmachen.

In dem zweiwöchigen Onlinekurs (Anmeldung unter https://open.hpi.de/courses/homepage2016) wird die 20-jährige HPI-Studentin zeigen, wie die Teilnehmerinnen in wenigen Schritten zu ihrer eigenen Homepage gelangen und was sie dabei hinsichtlich Urheberrechten, Bild- und Farbzusammenstellung beachten sollten. Außerdem erfahren die MOOC-Teilnehmerinnen, woher sie sich witzige Icons holen und sogar eigene Icons, ein eigenes Logo und vieles mehr entwickeln können.

Die junge Kursleiterin engagiert sich neben dem Studium als Mentorin bei verschiedenen Schülercamps, CoderDojos und Workshops des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. Aber nicht nur am HPI kümmert sie sich um den Programmier-Nachwuchs, sondern auch bei anderen Events von der Open Knowledge Foundation Deutschland über Mozilla und Google bis hin zu Junge Tüftler. Außerdem leitet sie regelmäßig einen Workshop an einer Potsdamer Kita und ist als Redaktionsleiterin der Studierendenzeitschrift „HPImgzn“ tätig.

2 Gedanken zu „HPI: Mädchen an die Tastatur

  1. Lisa Ihde

    Lieber Herr Gronau,

    Inhalte des Online-Kurses werden nicht Beauty und Mode sein. Ich würde gerne wissen, warum Sie so etwas behaupten? Das ist sehr klischeehaft und sexistisch. Ich hoffe, dass Sie diese Zeilen zurücknehmen und ihre Quellen aus erster Hand nehmen und nicht selber etwas hineininterpretieren.
    Ich kann mich nicht erinnnern mit Ihnen gesprochen zu haben.

    Mit freundlich Grüßen
    Lisa Ihde

  2. Mathias Beitragsautor

    Sehr geehrte Frau Ihde,

    die Inhaltsbeispiele habe ich einer Pressemitteilung des HPI entnommen, die auch jetzt noch auf der Homepage des HPI steht. Hier noch einmal das Zitat aus der Pressemitteilung: „Zur Zielgruppe gehören Mädchen, die als Weltenbummler ihre Erfahrungen und Fotos auf einer eigenen Webseite teilen wollen, sich in Fashionblogs über neueste Mode-Trends informieren und vielleicht in einem eigenen Blog ihre persönlichen Lieblingsstücke präsentieren möchten“. Damit handelt es sich um eine Information aus erster Hand, die ich nicht erneut überprüfen musste und die ich auch nicht interpretiert habe. Daher ist auch Ihr Vorwurf des Sexismus nicht nachvollziehbar. Die einzige Bemerkung von Ihnen, der ich zustimme, ist, dass ich aus Zeitgründen während meines Aufenthalts auf der CeBIT nicht beim HPI vorbeikommen konnte und daher auch nicht mit Ihnen gesprochen habe. Dass es zu diesem Besuch nicht gekommen ist, bedauere ich, da ich die Arbeit des HPI sehr schätze. Sollte die Darstellung verfälschend sein, ist dieser Fehler bereits beim HPI gemacht worden und ist nicht mir zuzurechnen. Sollte die Formulierung in irgendeiner Form falsch sein, gebe ich Ihnen gerne die Möglichkeit, Ihre Zielgruppe und Kursinhalte ausführlich darzustellen.
    Bei weiterem Redebedarf Ihrerseits können Sie mich jederzeit gerne anrufen.

    Mit freundlichem Gruß aus dem Ruhrgebiet
    Mathias Gronau

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