Review Microsoft Sculpt Ergonomic Desktop

Etwa 15 Jahre hatte sie gehalten – meine alte ergonomische Tastatur von Microsoft. Dann hat meine Maus ihren Geist aufgegeben und es war an der Zeit, mal wieder eine neue Tastatur und Maus zu kaufen. Da die alte Tastatur in IT-Zeiteinheiten gemessen von der Steinzeit bis heute gehalten hat, war es keine Frage, dass es erneut eine Tastatur von Microsoft sein sollte. Also bin ich mit dem Tablet PC ins Internet gegangen und erst einmal recherchiert, was Microsoft denn nun so anbietet. Meine Wahl fiel auf den Sculpt Ergonomic Desktop. Da ich die Tastatur vorher nie getestet habe war das eine recht mutige Entscheidung, aber ich bin davon ausgegangen, dass ich mit einem Microsoft-Produkt keinen Fehler machen würde.

Zwei Tage später brachte DHL das Paket mit der neuen Tastatur. Beim Auspacken fiel mir zuerst auf, dass das numerische Tastenfeld nicht in die Tastatur integriert ist, sondern getrennt geliefert wird. Wo der Sinn dieser Entscheidung liegt ist mir noch nicht klar. OK, es gibt durchaus Aufgaben, die ausschließlich aus numerischen Eingaben bestehen. Aber dort ist es erforderlich, mit der Tabulatortaste das Feld für die Eingabe zu wechseln. Würde das numerische Tastenfeld über diese Taste verfügen, wäre das sicher hilfreich. Aber egal – auch wenn die numerischen Tasten auf einem getrennten Gerät liegen, ist das zumindest kein Nachteil. Eventuell erschließt sich mir ja noch der tiefere Sinn dieser Lösung. Als Ausgleich gibt es aber eine Taste, die den Taschenrechner von Windows aufruft. Mal sehen, vielleicht kann ich die Taste ja noch anders belegen.

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Das hat sich Microsoft wohl zu Herzen genommen und vor das Schreibvergnügen noch einige Intelligenztests vorgeschaltet. Das fing bereits damit an, dass im Karton ein Bügel enthalten war, der dazu dient, die Tastatur schräg stellen zu können. Im Normalfall wird bekanntlich die hintere Seite der Tastatur höher gestellt, also die Seite, an der die Funktionstasten liegen. Hier ist Microsoft den genau umgekehrten Weg gegangen. Der Bügel wird vorne an der Tastatur magnetisch eingerastet, also an der Seite, auf der die Leertaste liegt. Das sieht zwar recht ungewohnt aus, auf der Tastatur lässt sich aber so gut schreiben, dass es wundert, dass vorher noch niemand auf die Idee gekommen ist.

Jetzt war ich so weit, dass ich die neuen Gadgets auf dem Schreibtisch platzieren konnte. Aber wie verbinde ich sie nun mit dem Rechner? Die Lösung gab mir die Installationsanleitung, die allerdings nur aus einigen Zeichnungen besteht und gegen die die Aufbauanleitungen von Ikea wie ein literarisches Meisterwerk erscheinen. Ich musste die Batterieabdeckung der Maus entfernen, so sich ein USB-Stick befindet. Eigentlich ist es ja eine gute Idee, einen Lagerplatz für den Stick einzubauen, aber um die Abdeckung abzunehmen sind recht kräftige Fingernägel erforderlich. Auch zum Schließen der Batterieklappe brauchte ich einige Anläufe. Ich meine, dass Microsoft da noch nachbessern sollte.

Den Stick habe ich angeschlossen und schon konnte ich beginnen, zu schreiben. Aber Moment, was ist das? Die Tastatur funktioniert zwar, aber mit der amerikanischen Tastaturbelegung. Keine Umlaute und die Interpunktion befindet sich auch nicht an den Stellen, wo ich sie erwartete. Das sah ja erst einmal nicht so dramatisch aus und ich dachte, wenn ich wieder den richtigen Tastaturtreiber einstelle, würde es funktionieren. Aber weit gefehlt. Die Systemsteuerung zeigte mir an, dass der deutsche Tastaturtreiber eingestellt wäre. Irgendetwas anderes war fehlgeschlagen. Da fiel mir nicht mehr viel ein und ich sah mir erst einmal die Microsoft-Website an, um dort eine Lösung zu finden. Leider war dort das Problem nicht beschrieben. So weit, so gut. Schließlich kann Microsoft nicht jedes mögliche Problem beschreiben oder die Seite würde so unübersichtlich, dass sich kein Mensch mehr dort zurechtfindet.

Aber es gibt ja noch Microsofts telefonischen Support, den ich nun kontaktieren wollte. Um es vorwegzunehmen – dies war nicht wirklich eine positive Erfahrung. Zunächst einmal benötigte ich Telefonnummer. Eine Nummer finden Sie ganz einfach unter www.microsoft.com/hardware -> Support -> Contact Us -> Germany. Dort wird Ihnen eine 01805-Nummer angezeigt. An dieser Stelle hätte ich eigentlich erwartet, dass ich unter dieser Nummer meine Unterstützung erhalten würde. Aus diesem Grund rief ich die Nummer an. Statt des erwarteten Supports erreichte ich aber nur eine Bandansage, die mir mitteilte, dass ich doch bitte eine andere Nummer anrufen solle. Der tiefere Sinn dieses Zwischenspiels hat sich mir bislang noch nicht erschlossen, aber irgendetwas wird sich Microsoft dabei wohl gedacht haben.

Also der nächste Versuch und die Telefonnummer aus der Bandansage angerufen. Bereits während ich durch das anfängliche Menü quälte bekam ich Zweifel, ob ich denn bei dieser Nummer richtig bin. Schließlich bekam ich aber doch einen lebendigen Menschen ans Rohr und wollte ihm mein Leid klagen: „Guten Tag, ich habe mir ein Microsoft Sculp Ergonomic Desktop gekauft und habe jetzt das Problem…“ An dieser Stelle unterbrach mich mein Gegenüber mit der Frage: „Wer ist denn der Hersteller dieses Produkts?“ Die Frage meinte er wirklich ernst. Nun habe ich ja durchaus Verständnis dafür, wenn ein Mitarbeiter im Support nicht jedes Produkt kennt, für das er Unterstützung leisten soll. Schließlich gibt es Datenbanken, in denen er nach einer Lösung suchen kann. Aber wenn er nicht einmal den NAMEN der Produkte kennt, stellt sich dann doch die Frage nach der Qualität der Einarbeitung der Support-Mitarbeiter.

Wenn Sie jetzt vermuten, dass ich mit dieser Frage bereits den schlimmsten Punkt meiner Odyssee erreicht hätte, kennen Sie die Steigerungsfähigkeit des von Microsoft mit dem Support beauftragten Unternehmens noch nicht. Es geht wirklich noch schlimmer. Nachdem ich mein Gegenüber informiert hatte, dass der Hersteller von Microsoft-Produkten Microsoft heißt und dass Microsoft auf seiner Website schreibt, dass ich unter dieser Nummer Unterstützung zu den Microsoft-Produkten bekomme (den Umweg über die Bandansage überspringe ich an dieser Stelle), durfte ich endlich mein Problem schildern. Nun bin ich nicht der ganz große Redner, aber ein Problem

Der Mitarbeiter hörte geduldig zu (oder zumindest ohne mich zu unterbrechen), teilte mir anschließend mit, dass er sich da erst informieren müsse und schaltete mich erst einmal stumm. Während der darauf folgenden Wartezeit stellte ich mir vor, was wohl als nächstes kommen würde. Dass mir eine Lösung für mein Problem präsentiert würde hielt ich für recht unwahrscheinlich. . Ich erwartete eigentlich, dass mir mitgeteilt würde, dass mir da niemand weiterhelfen könne und ich solle zusehen, wo ich Hilfe bekommen würde. Aber es kam noch schlimmer.

Nach gefühlt einer Zigarettenlänge kam der Mitarbeiter zurück in die Leitung und teilte mir mit, dass die Tastatur einen Produktionsfehler habe und dass ich sie umtauschen müsse. Wie bitte? Wenn ich auf eine Taste, nehmen wir als Beispiel das „y“, drücke und auf dem Bildschirm erscheint ein „z“, da nn ist das kein Hardwarefehler, sondern es handelt sich eindeutig um ein Treiberproblem. Und wenn die Installation der neuen Tastatur mir den Treiber zerschießt, dann kann die arme Tastatur doch nichts dafür, dann ist das ein eindeutiger Fehler in der Preview von Windows 8.1.

Liebe Leute vom Microsoft-Support. Wenn jemand bei euch mit einem Problem anruft, bei dem ihr ihm nicht helfen könnt, dann mag es ja peinlich sein, dies zuzugeben, aber es ist immer noch besser als den Anrufer zu verarschen – Verzeihung für den harten Ausdruck, aber alles andere, das mir zu dem Verhalten des Mitarbeiters einfällt, ist noch weniger zur Veröffentlichung geeignet.

So, jetzt sind Sie eventuell noch neugierig, wie die Geschichte ausgegangen ist. Ich habe die Lösung zuguterletzt noch gefunden. Zunächst habe ich ein zweites Sprachprofil installiert und es als primär gekennzeichnet. Nach einem Neustart des Rechners hatte ich dann eine weitgehend englischsprachige Oberfläche. Jetzt konnte ich das deutsche Sprachprofil löschen, es neu installieren und als primär kennzeichnen. Nach einem erneuten Neustart war das Problem mit dem defekten Treiber gelöst.

Nachdem nun die Tastatur wie erwartet funktioniert, kann ich mit Fug und Recht feststellen, dass der allererste positive Eindruck von der Tastatur sich bestätigt hat. Mehr noch, bereits nach wenigen Zeilen hatte ich mich vollständig an das neue Design gewöhnt und möchte es nicht mehr missen. Nur am Support muss Microsoft mal kräftig nachbessern.

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