Bundesnetzagentur prüft Surfgeschwindigkeiten und Netzneutralität

Meist macht die Bundesnetzagentur ja Schlagzeilen, wenn sie sich mit der Planung von Stromtrassen befasst, deren Nutzen fraglich ist. Aber die Behörde hat noch deutlich mehr Aufgaben, auch wenn diese relativ selten ins Licht der Öffentlichkeit gelangen. Dabei sind diese Aufgaben durchaus interessant und zumindest in vielen Fällen auch im Interesse der Verbraucher. So auch in diesem Fall.

Beginnen wir mit dem Geschwindigkeitstest. Erinnern Sie sich noch, welche Angaben in der Werbung für Ihren Internetanschluss standen? Dort steht immer „Surfen mit bis zu n MBit/s“. Der Buchstabe n steht hier für die Zahl, die die Geschwindigkeit angibt. Was bedeutet aber die Aussage „Surfen mit bis zu 50.000 MBit/s“? Im Grund doch nur: schneller als 50.000 MBit wird es nicht, langsamer kann aber durchaus sein. Wie bereits im letzten Jahr führt die Bundesnetzagentur derzeit einen Test der tatsächlichen Geschwindigkeit von Internetanschlüssen durch. Die Untersuchung wird anonym durchgeführt und die Teilnehmer erhalten sofort nach Abschluss des Geschwindigkeitstests ihr persönliches Ergebnis.

Das Ganze ist keine Hexerei. Wechseln Sie einfach zu www.initiative-netzqualitaet.de, klicken Sie auf den Link Breitbank-Test und schon kann es losgehen. Zunächst benötigt die Bundesnetzagentur noch einige Angaben von Ihnen – Postleitzahl, Anschlusstechnologie, den Anbieter und Ihre Anschlussgeschwindigkeit. Diese Angaben sind erforderlich, damit die erhobenen Daten auch sinnvoll verarbeitet werden können. Die nächste Frage nach Ihrer Zufriedenheit mit Ihrem Internetanbieter ist etwas aus der Art geschlagen. Geht es bei den anderen Angaben um objektive Daten, wird hier plötzlich Ihr subjektives Gefühl abgefragt. Es wird auch nicht danach gefragt, wie Sie zu diesem Ergebnis kommen. Schließlich können Sie mit der Technik Ihres Anbieters vollkommen zufrieden sein, aber als Sie kürzlich einmal die Hotline anrufen mussten, war Ihr Gegenüber nicht einmal in der Lage, Ihr Problem zu verstehen. Allein dieser Anruf kann Ihre Zufriedenheit signifikant drücken. Aber was soll’s. Irgendwer wird sich wohl irgendetwas bei dieser Frage gedacht haben. Als letzte Angabe wird noch abgefragt, ob eine optimale Testumgebung vorhanden ist. Eine optimale Testumgebung hat die folgenden Eigenschaften: der Rechner ist per Kabel mit dem Router verbunden, das WLAN ist ausgeschaltet und Java ist installiert (diese Eigenschaft ist die einzige zwingende, um den Test durchführen zu können). Anschließend können Sie auf die Schaltfläche „Jetzt testen“ klicken und lassen den Rechner etwa eine Minute lang alleine arbeiten. Zum Abschluss erhalten Sie Ihr persönliches Ergebnis.

Wie wichtig diese Untersuchung ist, zeigt die folgende Tabelle, die ich aus dem Abschlussbericht der Untersuchung im letzten Jahr entnommen habe. In dieser Tabelle ist auffällig, dass im Bereich von 8 – 18 Mbit/s selbst in den Städten, wo ich eigentlich die höchsten Ergebnisse erwartet hätte, nicht einmal zwei Drittel der Teilnehmer 50 % der versprochenen Leistung erreicht haben und nur jeder zwölfte Teilnehmer erreicht die volle Leistung. Ich hoffe, dass die Ergebnisse in diesem Jahr besser sein werden.

 

Abbildung 1. Die Ergebnisse der Untersuchung im letzten Jahr. Ich hoffe, dass die Ergebnisse in diesem Jahr besser ausfallen (Quelle: Bundesnetzagentur).

Ein weiterer Test auf der Seite betrifft die Netzneutralität. Dieses Thema ist im Moment bekanntlich sehr aktuell, da die Telekom vorhat, in Zukunft die Daten, die von einem anderen Anbieter bereitgestellt werden, langsamer als die eigenen Daten zu übertragen, wenn der Nutzer ein bestimmtes Datenkontingent überschritten hat. Mich persönlich stört dabei nicht so sehr, dass das Unternehmen vorhat, die Übertragungsgeschwindigkeit zu drosseln. Erheblich schlimmer finde ich, dass die Drosselung nur Daten betreffen soll, die nicht aus der Telekom-Cloud kommen, es sei denn, die Anbieter zahlen nicht nur für die Dienste in ihrem Netz, sondern zusätzlich einen Betrag an die Telekom. Es ist sicher nicht übertrieben, dies als eine Strafzahlung für das Vergehen zu betrachten, die Site nicht bei der Telekom zu hosten. Ich hoffe, dass die Bundesnetzagentur hier einschreitet.

Der Test läuft nach dem gleichen Muster ab und es werden die gleichen Informationen abgefragt. Der Test dauert sechs Minuten und dem Teilnehmer wird anschließend angezeigt, ob das Ergebnis Hinweise darauf schließen lässt, dass die Daten vom Provider unterschiedlich behandelt werden.

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