Erste Eindrücke des Nokia Lumia 820

OK, jetzt geht es mal überhaupt nicht um Tablet PCs, sondern um mein neues Mobiltelefon. Vor mittlerweile fast zwei Wochen ist das Gerät bei mir angekommen. Auch wenn mein Gesamteindruck positiv ist, bleiben doch einige Punkte übrig, an denen Nokia und Microsoft nachbessern sollten. Aber der Reihe nach.

Ach dem Auspacken macht das Gerät einen sehr soliden und eleganten Eindruck. Es ist unauffällig und liegt gut in der Hand. Aber wo kann ich es öffnen, um die SIM-Karte einzulegen? Auskunft gibt die beiliegende Gebrauchsanleitung: „Drücken Sie Ihren Fingernagel an einer der oberen Ecken des Mobiltelefons in den Spalt zwischen Bildschirmrahmen und dem rückseitigen Cover. Drücken Sie das Cover nach außen, bis sich ein Seitenspalt öffnet. Wiederholen Sie den Vorgang für die andere Ecke und entfernen Sie das Cover.“ Auf diese Weise vorzugehen war allerdings keine allzu gute Idee. Bei dem Versuch, genau nach Gebrauchsanleitung vorzugehen, habe ich mir gleich einmal die Nägel beider Daumen abgebrochen. Dabei habe ich doch schon so kräftige Fingernägel, meine Frau nennt sie Klauen. Dabei wäre es ganz einfach gegangen, hätte Nokia nur die korrekte Vorgehensweise beschrieben: einfach die Daumennägel in den beschriebenen Spalt und anschließend auf die rückwärtige Kamera drücken.

Dann hätte es eigentlich losgehen können, wenn denn meine SIM-Karte gepasst hätte. Das Nokia 820 erfordert eine Micro-SIM-Karte, die normale SIM-Karte, die ich vorher in meinem LG verwendet hatte, war etwas zu groß. Also gleich einmal bei meinem Provider eine neue SIM-Karte bestellt. Dabei hatte ich eigentlich gehofft, dass das neue Format erforderlich ist, weil die Technologie verbessert wurde und auf diese Weise sichergestellt wird, dass nur die richtigen Karten eingelegt werden können. Aber weitgefehlt – die neue Karte konnte ich wahlweise für das Standard- oder das Microformat herausbrechen. Offensichtlich hat sich in er Technik nichts geändert und beim neuen Format handelt es sich wohl um eine Charityaktion für notleidende SIM-Kartenhersteller. Egal, es wäre aber nett gewesen, wenn ich das vorher gewusst hätte.

Nachdem ich nun die neue SIM-Karte hatte konnte es endlich richtig losgehen. Das Display besticht durch kräftige Farben, einer Auflösung von 480 x 800 Pixeln und einer hervorragenden Helligkeit. Damit dürfte auch einer Lesbarkeit im hellen Sonnenlicht nichts im Wege stehen. Dank des 1,5 GHz-Dualcore-Prozessors lassen sich auch umfangreiche Apps flüssig bedienen. Mehr Leistung ist derzeit wohl nicht von Nöten und würde außerdem auf Kosten der Akkulaufzeit gehen. Da ich mit den mitgelieferten Kopfhörern nicht wirklich zufrieden war, habe ich andere angeschlossen, die ich auch bereits an meinen früheren Telefonen verwendet habe. Anschließend ließ der Sound absolut nichts mehr zu wünschen übrig. Aber wo ich gerade beim Sound bin: Es hat mich erstaunt und auch etwas verärgert, dass das Telefon keinen UKW-Empfänger beinhaltet. Dieser Empfänger ist seit den ersten Smartphones mit Windows Mobile Standard, weshalb ich vorausgesetzt hatte, dass auch das Lumia 820 damit ausgestattet ist. Für mich ist das nicht gar so wichtig, aber meine Frau verwendete in der Vergangenheit immer meine abgelegten Telefone und die hört regelmäßig Radio mit dem Smartphone. Der brauche ich mit diesem Gerät nicht zu kommen. Ich weiß nun nicht, ob das Radio bei allen Windows Phone 8-Geräten fehlt. Auf jeden Fall hätte ich mich für ein anderes Modell entschieden, wenn ich gewusst hätte, dass das UKW-Radio entfallen ist.

Sehen wir uns einmal die Softwareausstattung an. Hier hat sich Nokia einige Mühe gegeben, eine gute Auswahl zu treffen. Ob nun Firmen-Apps von RedBull und HRS unbedingt sein müssen mag sicher Geschmackssache sein. Mich stört eine teilweise Werbefinanzierung des Geräts nicht wirklich, schließlich sind die unerwünschten Apps schnell gelöscht. Wenn aber die Apps von KlickTel und der Nokia City-Kompass weitgehend die gleichen Funktionen enthalten, ist es wohl unnötig, beide Apps zu installieren, insbesondere bei einem Gerät mit relativ wenig Speicher.

Wie immer ist bei Windows Phone auch das Office mobile-Paket dabei. Es ist sehr angenehm, dass gleich die auf SkyDrive gespeicherten Dokumente angezeigt werden, sobald das Gerät mit dem eigenen Microsoft-Account verbunden wurde. Ich kann auch meine mit Office 2013 erstellten Dokumente aufrufen und anzeigen. Jetzt würde ich einmal davon ausgehen, dass ich auch ganz spontan einige kurze Änderungen an meinen Word-Dokumenten vornehmen kann. Aber weit gefehlt. Sobald ich in den Bearbeiten-Modus schalten will, erhalte ich lediglich eine Fehlermeldung, die mir mitteilt, dass einige Inhalte des Dokuments in dieser Version von Word nicht unterstützt werden und das Dokument daher nicht bearbeitet werden kann. Merkwürdig. Ich habe doch überhaupt nichts Schwieriges gemacht und wollte nur einen älteren Blogbeitrag von mir etwas ergänzen. Da sollte Microsoft wirklich nachbessern.

Auch über das mobile Excel habe ich mich wie auch bereits unter Windows Phone 7 geärgert. Bekanntlich ist Excel eine Tabellenkalkulation und alle Menschen, die ich kenne, arbeiten in einer Tabellenkalkulation mit Zahlen. Wie ist es wohl möglich, dass es für diese App keine numerische Tastatur gibt? Dabei gab es doch mal eine Zeit, in der Microsoft das konnte. Unter Windows Mobile 5.x ließ sich die numerische Tastatur noch gut bedienen, allerdings waren damals die Geräte noch ziemlich fummelig. Dann kam Windows Mobile 6.x und die numerische Tastatur sprang nach jeder einzelnen Eingabe wieder auf alphanumerisch zurück, was zwar recht nervig war, aber damit konnte ich noch zähneknirschend leben. Seit Windows Phone 7.x ist die numerische Tastatur für Excel nicht mehr implementiert (bei der Eingabe der Telefonnummer bei den Kontakten ist aber eine vorhanden), was ein einigermaßen schnelles Arbeiten mit dem mobilen Excel unmöglich macht.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die App Nokia Drive+, die als Betaversion mitgeliefert wird. Diese App war die erste Navigation, die für Windows Phone veröffentlicht wurde, so dass es mir doch recht verwunderlich ist, dass es sich immer noch um eine Betaversion handelt. Aber egal, so lange die App weitgehend korrekt funktioniert, macht das schließlich keinen Unterschied. Und seien wir ehrlich – jeder von uns empfindet eine klammheimliche Freude, einen Fehler zu finden und an den Hersteller zu melden. Und wenn der Fehler dann auch noch behoben wird… Zunächst möchte ich die für mich positiven Features erwähnen. Zunächst einmal findet die App sehr schnell den aktuellen Standort, auch ohne dass ich mich als Anwender um die Aktualisierung von Quick GPS kümmern muss. Bei einer ersten Probefahrt führte mich die Software zuverlässig an mein Ziel. Die implementierten Features scheinen zuverlässig zu funktionieren. Aber hier ist die Freude nicht wirklich ungetrübt. Einige Features, die ich von TomTom und CoPilot kenne, vermisse ich schmerzlich. Zunächst gibt es die Streckenführung nur für PKWs, nicht für Wohnmobile oder LKW, auch nicht für Fahrradfahrer oder Fußgänger. Die Strecken für diese Verkehrsteilnehmer können sich durchaus von denen für PKW-Fahrer unterscheiden. Dann wird immer nur eine Streckenführung angeboten. Andere Navigationssysteme bieten die Auswahl zwischen der schnellsten, kürzesten und schönsten Route. Nicht gar so wichtig, aber häufig ganz hilfreich, wäre die Möglichkeit, auch die Lage von Museen, Restaurants oder anderen interessanten Einrichtungen anzeigen zu können. In dieser App werden lediglich Parkplätze, Tankstellen sowie U- und S-Bahn-Stationen angezeigt. Meiner Meinung nach hat Nokia noch einigen Nachholbedarf. Mit den derzeitigen Features würde ich mir sicher TomTom oder CoPilot kaufen, wenn diese Systeme für Windows Phone erscheinen würden. Einen Vorteil der Nokia-App will ich aber auch nicht verschweigen: die Karten können für die gesamte Welt kostenlos heruntergeladen werden.

Aber abgesehen von diesen Nachteilen, an denen teilweise Microsoft, teilweise aus Nokia die Verantwortung hat, handelt es sich beim Nokia Lumia 820 um ein wirklich ansprechendes Gerät, das keine Wünsche offen lässt. Wenn Sie mit den von mir geschilderten Nachteilen leben können, weil Sie die fehlenden Funktionalitäten nicht benötigen, sind Sie mit diesem Gerät wirklich gut bedient.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.