Wer rettet uns vor dem App-Wahnsinn?

Der Windows Store füllt sich schnell. Derzeit enthält der deutsche Store für Windows RT die in der folgenden Tabelle dargestellten Anzahlen Apps:

Bereich 

Anzahl der enthaltenen Apps 

Blickpunkt  

Spiele 

163 

Soziales Netzwerk

15 

Unterhaltungsmedien 

93 

Foto 

29 

Musik und Video 

47 

Sport 

47 

Bücher und Informationen  

161 

Nachrichten und Wetter 

125 

Gesundheit und Fitness 

32 

Essen und Gastronomie  

172 

Lifestyle  

110 

Shopping 

21 

Reisen 

38 

Finanzen 

25 

Produktivität

68 

Tools 

83 

Sicherheit 

Büro 

240 

Bildung 

111 

Behörden 

Gesamtzahl 

2503 

 

Wenn wir jetzt einmal bedenken, dass Windows RT eine sehr neue Plattform mit einer bislang noch geringen Verbreitung ist, beeindruckt diese Zahl durchaus. Aber sind die dort angebotenen Apps auch wirklich sinnvoll? Bei vielen Apps sind da sicher ernsthafte Zweifel angebracht. Ich meine hier nicht von Apps, die die eine oder andere Aufgabe erledigen oder von Spielen, die einfach nur Spaß machen oder einem die Zeit vertreiben. Damit machen diese Apps durchaus Sinn. Auch Apps, die lediglich eine verbesserte Oberfläche oder einen vereinfachten Zugang zu einer Windows-Funktionalität bieten, haben sicher ihre Existenzberechtigung.

Aber welchen tieferen Nährwert hat eine App wie „Best Sellers of Amazon“? Für was benötige ich eine App, die mir den Großteil des Angebots eines Onlineshops verbirgt? Wäre es da nicht irgendwie einfacher, gleich mit dem Browser zu arbeiten?

Oder wofür sollte ich mir die eBay-App installieren? Wenn Sie meinen, dass Sie damit eBay besser bedienen können als im Browser, dann irren Sie sich. Die App gibt Ihnen bestenfalls die Möglichkeit, auf (meiner Meinung nach) unübersichtliche Art die von Ihnen mit dem Browser abgegebenen Gebote und/oder eingestellten Artikel zu beobachten. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, mit dieser App ein Gebot abzugeben oder einen Artikel anzubieten. Prädikat: überflüssiger als ein Kropf.

Ich schätze Wikipedia als Recherchewerkzeug sehr. Aber benötige ich dafür eine eigene App? Ich habe doch den Internet Explorer. Aber es geht noch sinnloser: Martin Geuss von drwindows.de hat Apps gefunden, die jeweils nur einen einzigen Wikipedia-Artikel enthielten. Der tiefere Nährwert dieser Apps will sich mir spontan nicht so recht erschließen.

Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Interessanter ist aber doch, die Frage zu klären, wer einen Vorteil von diesen Apps hat und welche Nachteile sie mit sich bringen. OK, die Entwickler leben davon.

Aber haben die Anwender etwas von den Apps? OK, wer sich mit der Aufgabe, einen Browser zu bedienen, überfordert sieht, lieber für jede Webseite, die er oder sie besucht, eine extra Kachel auf dem Startbildschirm hat und sich auf Webseiten beschränken will, für die es eine eigene App gibt, oder der es ganz toll findet, die gewünschte App in zig Seiten zu finden, der wird mit dem App-Wahnsinn sicher glücklich. Wer aber weniger masochistisch veranlagt ist, wird sicher in der Regel die komfortable Bedienung mit dem Browser bevorzugen, die häufig auch einen größeren Funktionsumfang bietet.

Welchen Vorteil haben die Anbieter von den Apps? Aldi, Obi & Co. haben die Auswahl: Entweder sie betreiben eine Website mit einer Benutzeroberfläche für „richtige“ Computer und einer für mobile Geräte oder sie pflegen jeweils eine App für das iPhone, das iPad, die unterschiedlichen Android-Versionen, für Windows Phone, für den Blackberry, für Rechner mit hoher Auflösung… Letztere Lösung ist selbstverständlich deutlich teurer, wird aber trotzdem von vielen Unternehmen bevorzugt. Weshalb eigentlich? Eine wirklich logische Erklärung konnte mir bislang niemand liefern.

2 Gedanken zu „Wer rettet uns vor dem App-Wahnsinn?

  1. Johnny Graber

    So lange Microsoft Aktionen durchführt bei denen man für eine gewisse Anzahl Apps Preise gewinnen kann haben all die Apps einen Sinn – zumindest für den Entwickler. Der kann damit ja etwas gewinnen. Womit auch klar wäre wieso diese 1-Wikipedia-Artikel-Apps so beliebt sind: Mit ganz wenig Aufwand bekommt man die nötige Anzahl Apps zusammen um sich für die besseren Preise zu qualifizieren.

    Aus Anwendersicht fragt man sich zu Recht was das denn soll. Ob man nun 2000 Artikel als App hat oder 20000 spielt da keine Rolle. Was zählt wären Apps die wirklich etwas bringen. Aber so lange es dafür keine Preise gibt und der Markt zu klein ist das sich die Entwicklung auch finanziell lohnt wird sich da leider nicht viel ändern.

    Ich warte ja schon auf die Apps bei denen man die Tweets einer einzigen Person angezeigt bekommt. Damit wurde der Windows Phone Store ja auch schon geflutet. Ich bin nur gespannt darauf wie lange Microsoft die Anreize noch in eine solch aus Anwendersicht falsche Richtung lenken will. Langsam sollte man den Fehler bemerkt haben…

  2. Mathias Beitragsautor

    Ich würde allen Aussagen zustimmen, allerdings sollte hier auch erwähnt werden, dass nicht nur Microsoft, sondern auch Apple und Google gerne mit möglichst hohen Appzahlen in den eigenen Shops glänzen wollen. Dabei geht dem Vernehmen nach Apple noch einen Schritt weiter als Microsoft, indem eine App, die sowohl als kostenfreie Testversion als auch als kostenpflichtige Vollversion angeboten wird, zweimal gezählt wird. so lassen sich die Zahlen auch hochladen.

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