Was will Microsoft mit Windows RT?

Diese Frage ist mir in letzter Zeit häufiger gestellt worden. Eine wirkliche Antwort habe ich aber auch nicht. Gerne wird die neue Windows-Version für ARM- Prozessoren als „Windows Light“ bezeichnet. Ich vermute eher, dass Microsoft hofft, mit Hilfe von Windows RT diejenigen Anwender, die zu den Tablets unter Android oder zum iPad abgewandert sind, wieder für die Windows-Plattform zurückzugewinnen. Ob das eine richtige Einschätzung ist, wird wohl für immer Microsofts Geheimnis bleiben. Wir können aber aus den inzwischen bekanntgewordenen Features von Windows RT durchaus einige Schlüsse ziehen. Sehen wir uns die Features doch einmal an – oder besser gesagt kontrollieren wir einmal, welche Features Windows RT nicht enthält.

Microsoft hat in einem seiner Firmenblogs veröffentlicht, welche Einschränkungen Windows RT beinhaltet. Laut Microsoft sollen diese Einschränkungen der Erhöhung der Sicherheit, der Zuverlässigkeit und der Verlängerung der Laufzeit des Akkus dienen. So ist es nicht möglich, sich mit Windows RT in einer Windows-Domain anzumelden. Nun ja, dieses Feature werden die wenigsten privaten Anwender vermissen. Auffällig ist vor allem, dass der Internet Explorer keine Add-Ins von Drittherstellern akzeptiert. Aber sind wir doch mal ehrlich – die Add-Ins und Toolbars für den IE sind in aller Regel eher lästig und werden meist gegen den Willen des Anwenders installiert. Die wenigsten Anwender werden diesen Datenmüll vermissen.

Dafür werden diese Anwender sich sicher freuen, dass Windows RT bereits eine Office-Version enthält. Aber auch dieses Office für Windows RT enthält einige Einschränkungen. Am Ehesten wird dort auffallen, dass Office für Windows RT kein Outlook enthält. Aber auch die anderen Anwendungen des Office-Pakets weisen einige Einschränkungen auf. Ein privater Anwender wird in den wenigsten Fällen die Fähigkeit, Makros und VBA auszuführen, vermissen. Außerdem unterstützt das Office-Paket keine Features, die auf Add-Ins oder ActiveX-Komponenten von Drittherstellern zugreifen. Aber seien wir ehrlich – wie viele Add-Ins verwendet der durchschnittliche Anwender in Office? Ich habe in der Vergangenheit nur ein Add-In in Office gebraucht – StampIt von der Post. Diesen Dienst hat die Post aber bereits vor längerer Zeit eingestellt. Vermutlich würde mir das Fehlen dieses Features nicht auffallen.

Eher werden vermutlich andere Einschränkungen für wenig Begeisterung sorgen. So ist es in PowerPoint nicht möglich, ältere Medienformate abzuspielen. Außerdem lassen sich Formeln, die mit dem Formel-Editor 3.0 erstellt wurden, nicht bearbeiten. Besonders ärgerlich ist aber, dass die Funktionen zum Versenden von E-Mails nicht funktionieren, da Windows 8 RT weder Outlook noch andere Mailprogramme unterstützt, die auf dem Desktop ausgeführt werden.

Als weitere Einschränkung ist es in Excel 2013 RT nicht möglich, Datenmodelle anzulegen. PowerPoint 2013 RT kann keine Erzählungen aufnehmen. Auch OneNote 2013 RT enthält einige Einschränkungen und kann weder eingebettete Video- noch eingebettete Audiodateien durchsuchen. Außerdem können keine Audio- und Videonotizen aufgenommen werden. Es ist auch nicht möglich, sie von einem angeschlossenen Gerät zu importieren.

Josh Pollock, Principal Development Manager und David Brodsky, Partner Test Manager, schreiben im offiziellen Microsoft-Blog „Office Next“, dass es sich ansonsten um ein vollwertiges Office handelt, das vollständig mit den unter Windows erstellten Dokumenten kompatibel sei.

Soweit die Einschränkungen, die bekannt sind. Da die Informationen aus dem Microsoft-Blog stammen, gehe ich jetzt davon aus, dass sie vollständig sind. Aber wer soll denn nun ein Gerät kaufen, das unter Windows RT läuft? Auch wenn die Liste der Einschränkungen auf den ersten Blick recht lang erscheint, hat Microsoft vor allem Funktionalitäten entfernt, die die meisten Anwender nicht vermissen werden. Im Vergleich zu Android und iOS steht Windows RT außerdem wirklich gut da. So sorgt die Nutzerverwaltung von Windows RT nicht nur für mehr Ordnung auf dem Gerät, sondern sie sorgt auch für eine verbesserte Sicherheit. Diese Funktionalität fehlt bei den Mitbewerbern vollständig. Auch das Look-and-Feel, das die Anwender bereits vom Desktop unter Windows 8 und von Windows Phone kennen, dürfte für eine erhöhte Akzeptanz sorgen.

Ich gehe davon aus, dass Windows RT in erster Linie für Tablet PCs verwendet wird. Auch wenn Microsoft sich wünscht, dass das neue Betriebssystem auch auf anderen Geräten eingesetzt wird, sind diese Geräte bislang noch nicht in Sicht.

Professionelle Anwender werden die fehlenden Funktionen sicher vermissen. Allerdings dürfte jedem klar sein, dass diese Funktionalitäten auch auf den Geräten der Mitbewerber nicht zu finden sind. Da Windows 8 RT ansonsten aber ein vollständigeres Betriebssystem ist als die abgespeckten Handybetriebssysteme der Mitbewerber, könnte die Akzeptanz in diesem Bereich durchaus recht hoch sein. Der größte Nachteil ist aber, dass selbstentwickelte Desktop-Software unter Windows RT nicht lauffähig ist. Anwender, die Eigenentwicklungen verwenden, müssten also weiterhin auf die x86-Plattform ausweichen. Positiv zu bemerken ist aber, dass sich auch Windows 8 RT-Geräte mit Intune verwalten lassen.

Da die Preise für Windows RT-Geräte um einiges niedriger sein dürften als für das „richtige“ Windows, ist Windows RT wohl zunächst für Privatanwender interessant. Hier vermute ich aber größere Akzeptanzprobleme als bei den professionellen Nutzern. Zur Begründung dieser Befürchtung müssen wir uns ansehen, welche Aufgaben die Privatanwender mit ihren Rechnern erledigen. Neben etwas Textverarbeitung wollen die Anwender ihre Bilder bearbeiten und verwalten, ihre Musik speichern und vor allem spielen. Die Software, die diese Anwender sich angeschafft haben, läuft aber nicht unter Windows RT. Auf der anderen Seite haben mir mehrere private Anwender glaubhaft versichert, dass sie mit ihrem Android-Tablet oder iPad nur mal etwas nachsehen wollen. Diesen Anwendern kommt es also überhaupt nicht auf die vorhandene Software an, die weiterhin auf dem Desktop und/oder Laptop verwendet wird. Diese Anwender werden vermutlich mit einem Windows RT-Gerät mindestens genauso gut fahren.

Als Fazit können wir festhalten, dass es eine Menge K.O.-Kriterien gibt, die gegen den Einsatz von Windows RT sprechen. Wenn bei Ihnen keines dieser Kriterien zutrifft, sind Sie gut beraten, sich für Windows 8 RT-Gerät zu entscheiden.

Ein Gedanke zu „Was will Microsoft mit Windows RT?

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