Microsoft und die Zukunft der Technologie – Matinee mit Ray Kurzweil

Zum Abschluss der IFA veranstaltete Microsoft am 5. September in Berlin die „What’s Next Matinee“, auf der nicht nur Microsoft seine Vorstellungen über die Zukunft der Technologien vorstellt, sondern mit Ray Kurzweil konnte Microsoft auch einen sehr hochkarätigen Sprecher gewinnen. Dieser Bericht soll dieses faszinierende Event nicht vollständig darstellen, sondern lediglich einen kurzen Überblick über die faszinierende zweistündige Veranstaltung geben. Microsoft hat mir die Möglichkeit gegeben, die gesamte Veranstaltung per Audioaufnahme zu konservieren, so dass ich auf die einzelnen Themen im Community-Radio eingehen werde und dort auch die Referenten persönlich zu Wort kommen lassen kann.

 

Erster Sprecher war Peter Jäger, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Abteilung Developer & Platform Evangelism (DPE). Er gab zum Einstieg in das Thema einen kurzen Überblick zum Thema „Innovation bei Microsoft“ und beleuchtete dabei die verschiedenen Bereiche, die durch dieses Thema bei Microsoft berührt werden. Insbesondere wies er darauf hin, dass Microsoft mit 9,5 Milliarden USD weltweit den größten Etat für Forschung und Entwicklung bereitstellt.

Zweiter Sprecher war Ray Kurzweil. Falls Sie Ray Kurzweil nicht kennen, hier eine kurze Vorstellung, die auf Wikipedia veröffentlicht wurde: „Raymond „Ray“ Kurzweil (* 12. Februar 1948 in Queens, New York City) ist ein US-amerikanischer Pionier der optischen Texterkennung (OCR), Sprachsynthese (computervorgelesene Texte), Spracherkennung, Flachbettscannertechnologie und im Bereich elektronischer Musikinstrumente, insbesondere den Keyboards. Außerdem ist er ein bekannter Sachbuch-Autor über Themen wie Gesundheit, Transhumanismus, Technologische Singularität und Zukunftsforschung. Kurzweil gilt als einer der bedeutendsten Visionäre der Künstlichen Intelligenz. Im Jahr 2002 schloss er mit der so genannten Long Bet One eine Wette über 20.000 US-Dollar ab, dass im Jahr 2029 ein Computer oder eine „maschinelle Intelligenz“ den Turing-Test bestehen werde.“

Nur mal so nebenbei: Seine Bücher sind Bestseller und wurden zumindest teilweise auch in die deutsche Sprache übersetzt. Am 13. November wird außerdem sein neuestes Buch erscheinen: „How To Create A Mind“.

Zu Beginn betonte er, dass sich der Fortschritt in der Technologie, soweit er sich in Zahlen ausdrücken lässt, exponentiell beschleunigt. In dieser Tatsache und dem Fakt, dass das menschliche Gehirn evolutionär auf lineares Denken ausgelegt ist, sieht er den Grund, weshalb Zukunftsprognosen, die über einen längeren Zeitraum ausgelegt sind, die Wirklichkeit regelmäßig weit verfehlen, was dazu führt, dass uns neue Entwicklungen immer wieder überraschen.

Anschließend legte Ray dar, dass auch die Biologie, die Medizin und die Gesundheitstechnik mehr und mehr von der IT bestimmt werden. Anders sind Gen- und Medikamentenforschung nicht zu bewerkstelligen. Daraus folgt aber auch, dass diese Bereiche immer stärker einem exponentiellen Fortschritt unterliegen. In allen Bereichen, in denen die IT eine wichtige Rolle spielt, wird sie zum Motor des Fortschritts. Mit Hilfe von 3D-Druckern und der Nanotechnologie beginnen wir heute sogar, reale Objekte zu erstellen. Dies werden wir dank der dafür erforderlichen Software auch immer besser können.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags ging Ray auf die Erforschung der Funktionsweise des Gehirns und des Denkens ein. Dies ist auch das Thema seines kommenden Buchs. Er zeigte anhand einiger Beispiele (IBMs Rechner Deep Blue gewann eine Schachpartie gegen den damals amtierenden Weltmeister Kasparov und Watson, ebenfalls von IBM, schlug sich tapfer bei Jeopardy), dass viele Probleme im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz so lange für unlösbar gehalten wurden bis sie gelöst waren. Anschließend wurden sie als triviales Nischenproblem abqualifiziert. Ray geht davon aus, dass die künstliche Intelligenz die natürlich etwa im Jahre 2029 einholt. Aufgrund des exponentiellen Fortschritts wird sie aber dort nicht haltmachen, sondern sie wird sich weiterentwickeln. Im Ergebnis hofft Ray, dass sich dann viele Probleme lösen lassen, für die der begrenzte menschliche Geist nicht ausreicht. Er betonte, dass der Fortschritt in der Vergangenheit von der menschlichen Wissenschaft ermöglicht und getrieben wurde und dass sich dies vermutlich in der Zukunft nicht ändern werde.

Dritter und letzter Sprecher der Veranstaltung war Prof. Chris Bishop, Leiter der Gruppe „Machine Learning & Perception“ bei Microsoft Research in Cambridge. Diese Gruppe war bei der Entwicklung der Algorithmen für die Kinect federführend. Er gab einen Überblick über die Forschungsarbeiten, in die Probleme und Lösungsansätze für die Erkennung der Muster, Objekte und Bewegungen. Es war beeindruckend, zu sehen, wie die Kinect durch maschinelles Lernen auf die Erkennung der Spieler und deren Aktionen trainiert wurde. Er überzeugte die Zuhörer, dass Microsoft an der Spitze der Technologie tätig ist.

In der abschließenden Q&A-Session beantwortete Ray die Frage aus dem Publikum, ob die Menschen mit den Maschinen wirklich verschmelzen und die Menschen dadurch den Maschinen immer ähnlicher würden, mit dem Hinweis, dass die Menschen schon lange in Symbiose mit ihrer Technik leben und ein Leben ohne sie gar nicht mehr möglich sei. Derzeit müsse der Schwerpunkt darauf liegen, den Menschen die Interaktion mit den Maschinen zu erleichtern.

Alles in Allem war es eine gelungene Veranstaltung, die das Publikum mit vielen neuen Gedanken entließ. Es wurde aber auch deutlich, wie sich die Forschungen von Microsoft in die Gestaltung der Zukunft einpassen.

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