Archive for September, 2011
Microsoft verteilt Windows 8 auf Tablet PCs

Microsoft hat auf der Build Konferenz in Anaheim nicht nur offiziell Windows 8 vorgestellt, sondern auch 5.000 Tablet PCs mit der Entwicklerversion von Windows 8 an die Teilnehmer verteilt. So weit sind die Informationen wohl allgemein bekannt. Jetzt hat aber der Onlinedienst ChannelPartner.de die Ausstattung der Samsung-Vorseriengeräte veröffentlicht. Sie sind mit einem 11,6 Zoll großen kapazitiven Touchscreen ausgestattet und bieten eine Auflösung von 1.366 x 768 Pixel. Angetrieben werden sie von einem 1,6 GHz schnellen Dualcore-Prozessor Core i5, der von Intel gefertigt wird. Wie zu erwarten sind die Geräte mit einem SSD-Laufwerk ausgestattet, das 64 GB fasst. Zusätzlich weisen sie sowohl auf der Vorder- als auch auf der Hinterseite jeweils eine Kamera auf und verfügen über einen Lagesensor, ein Gyroskop sowie über einen digitalen Kompass.Mit dieser Ausstattung sind Anwendungen denkbar, deren Funktionalität eigentlich nur noch durch die Fantasie der Entwickler begrenzt wird.

Dass die Geräte mit jeder Windows-Version kommunikativer werden ist mittlerweile eine Binsenweisheit. So verfügen die von Microsoft verteilten Geräte neben WLAN und Bluetooth auch über die Möglichkeit, eine SIM-Karte einzulegen und auch über den Nahfunk NFC. Die Kommunikationsmöglichkeiten HDMI, USB und Ethernet  sowie der Steckplat für eine Micro-SD-Karte müssen wohl nicht weiter erwähnt werden.

Das gesamte Gerät ist nur 12,9 mm dick und wiegt etwa 900 Gramm. Laut Microsoft soll eine Akkuladung eine Laufzeit von einem vollen Tag gewährleisten.

Microsoft hat die Tablet PCs mit einem gut ausgestatteten Zubehörpaket abgegeben, das neben einer Dockingstation auch eine Bluetooth-Tastatur und einen Stylus enthält.

 

Windows 8 – erster offizieller Download verfügbar

Seit dem 13. September stellt Microsoft eine erste Version von Windows 8 zum Download zur Verfügung. Wie vielfach erwartet hat Microsoft auf der Build in Anaheim Tablet PCs mit der Developer Edition von Windows 8 verteilt und im Anschluss den Download offiziell freigegeben.

Dabei handelt es sich nicht einmal um eine Betaversion, sondern um eine Preview, also um eine Vorschauversion oder anders ausgedrückt handelt es sich um irgendentwas zwischen einer Alpha- und einer Betaversion. Immerhin wurde sie aber innerhalb von nur zwei Tagen mehr als 500.000 mal heruntergeladen, was das Interesse an der nächsten Version von Windows zeigt. Alles was uns heute demonstriert wird kann sich durchaus noch ändern. Wir sollten also alles, was wir in nächster Zeit über Windows 8 hören und lesen können, sehr kritisch betrachten. Die grobe Richtung sollte aber mittlerweile klar sein. Um diesen Beitrag nicht ewig zu verlängern will ich jetzt nur einmal die meiner Meinung nach wichtigsten Neuerungen erwähnen. Eine Einschätzung, wie sinnvoll die einzelnen Neuerungen für die Anwender und Entwickler sind, werde ich derzeit noch nicht abgeben. Wie erwähnt kann sich noch alles ändern und viele Änderungen müssen erst in der Praxis getestet werden, um sie wirklich einschätzen zu können.

Hier nun die wichtigsten Neuerungen in Stichworten:

Steven Sinofski verglich auf der Build den Speicherverbrauch von Windows 7 und Windows 8 unmittelbar nach dem Start. Während Windows 7 noch 494 MB RAM benötigte, kam Windows 8 mit lediglich 281 MB RAM aus. Die erste Preview von Windows 7 benötigte sogar 540 MB Speicher. Bei den derzeitigen Speicherpreisen und den Speichermengen, die die 64 Bit-Versionen von Windows adressieren können, wirken diese Zahlen erst einmal nicht wirklich beeindruckend, aber immerhin stützen sie Microsofts Ankündigung, dass Windows 8 auf allen Rechnern laufen wird, auf denen bereits Windows 7 ausgeführt wird.

Bereits vor der Build hat Microsoft die Information veröffentlicht, dass Windows 8 um bis zu 70 % schneller startet als der Vorgänger. Ob sich dieser Wert nur unter Idealbedingungen erreichen lässt oder er sich auch in der Praxis erreichen lässt, wird noch zu überprüfen sein. Wir können aber wohl davon ausgehen, dass die Hybridtechnologie, die Microsoft entwickelt hat, immer eine gewisse Verkürzung der Startzeiten mit sich bringen wird. Sicher wird es aber noch einiger Tests bedürfen, damit Nebenwirkungen dieser Technologie ausgeschlossen werden können oder damit sie zumindest bekannt sind, um unerwartete Reaktionen des Rechners einschätzen zu können.

Die wohl auffälligste Neuerung in Windows 8 ist der Metro-Stil. Der Metro-Stil ist uns bereits von Windows Phone 7 bekannt. Auf mich wirkte er zunächst recht altbacken und erinnerte mich ziemlich an die Blöckchengrafik auf den Alpha-Workstations unter Unix vor ca. 20 Jahren. In der Praxis hat diese Darstellung sich aber als gut erwiesen und kann sich durchaus gegen die aktuellen Mitbewerber von Apple und Google behaupten. Aus diesem Grund übernehme ich derzeit auch nicht die wenig begeisterten ersten Reaktionen auf den Metro-Stil auf dem Desktop; ich halte es auch nicht für unwahrscheinlich, dass der Metro-Stil in der endgültigen Version nur auf Tablet PCs die Standard-UI bilden wird.

Die Anwendungen sollen im Mittelpunkt stehen. Anwendungen im Metro-Stil für Windows 8 füllen den gesamten Bildschirm aus. Diese Regelung widerspricht sicher nicht nur meinem persönlichen Arbeitsstil und es bleibt abzuwarten, ob diese Neuerung sich als sinnvoll erweist oder ob Microsoft den Fehler gemacht hat, die Arbeitsweise auf einem Mobiltelefon auf den Desktop übertragen zu wollen.

Microsoft verspricht Verbesserungen bei Leistung, Sicherheit, Datenschutz und Systemzuverlässigkeit. Kommt Ihnen diese Ankündigung auch so bekannt vor wie mir? Aber immerhin hat Microsoft dieses Versprechen auch immer mehr oder weniger eingehalten.

Eines dürfen wir bei der Einschätzung von Windows 8 aber nicht vergessen: nur einen Tag nach der Vorstellung von Windows 8 als Client-OS stellte Microsoft auch Windows 8 Server vor. Satya Nadella, President für die Server and Tools-Gruppe bei Microsoft, teilte mit, es handle sich dabei um “eine der breitesten und tiefgreifendsten Veröffentlichungen”.

Microsoft habe neben neuen Funktionen auch die Skalierbarkeit des Server-Betriebssystems verbessert, das die aktuelle Version Windows Server 2008 ablösen soll. “Wir haben die Art und Weise, wie man Rechenleistung, Storage und Network für unterschiedliche Anwendungs-Workloads bereitstellt, grundlegend überarbeitet”, erklärt Nadella. Unter anderem habe Windows 8 Server einige Funktionalitäten von Windows Azure geerbt. Eine tiefergehende Beschreibung der Neuigkeiten in Windows 8 Server und deren Zusammenarbeit mit den neuen Features des Client-Betriebssystems würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Aber kommen wir zum Client-OS zurück. Das neue Feature “Secure Boot” soll Windows bereits beim Start schützen. Michael Angiulo, Corporate Vice President des Bereichs Windows Planning and Ecosystem, zeigte auf der Entwicklerkonferenz, wie das Betriebssystem den Bootvorgang abbricht, wenn versucht wird, das System mit einem infizierten USB-Stick hochzufahren. Stattdessen wurde eine Warnmeldung angezeigt, dass der Computer kompromittiert worden sei. Michael Angiulo vergaß auch nicht, auf mögliche negative Auswirkungen für die etablierten Hersteller von Anti-Virensoftware hinzuweisen. Dabei schob er ihnen den schwarzen Peter zu, indem er erwähnte, dass diese Unternehmen bereits viele Jahre lang Zeit gehabt hätten, um den Endkundenmarkt in diesem Segment zu übernehmen. Trotzdem würden jedes Jahr Millionen Rechner durch Schadsoftware infiziert. Als mögliche Reaktionen erwartet er Preissenkungen sowie den Vorwurf, Microsoft verhalte sich wettbewerbsfeindlich.

Eine kleine Presseschau

Während ich mich derzeit mit Kommentaren zu Microsofts kommendem Betriebssystem noch zurückhalte, haben viele Publikationen sowohl online als auch im Printbereich bereits Kommentare veröffentlicht, von denen ich eine nicht repräsentative Auswahl kurz vorstellen möchte.

Silicon.de meint:”Windows 8fordert Nutzer und Admin gleichermaßen heraus. Es ist ein wenig ein Denkanstoß und in gewisser Weise auch ein Bruch mit der seit Jahrzehnten gewachsenen Tradition.” Und weiter: “Dennoch scheint Microsofts neu eingeschlagener Weg auch bei Mirosoft-Skeptikern mit einem gewissen Wohlwollen goutiert. Auch die Tatsache,
dass Windows 8 vom Server bis hin zum Tablet auf jedem erdenklichen Gerät läuft,
zeigt deutlich, dass der ab und an etwas schwerfällig wirkende Riese aus Redmond
doch noch recht agil ist. Ob Windows 8 wirklich die angemessene Antwort auf die vielen offenen Fragen ist, die die technologischen Veränderungen und die damit zusammenhängenden neuen
Erwartungen bei den Verbrauchern aufwerfen, wird erst die Zukunft zeigen können.”

Linux-Magazin.de hebt eine Thema hervor, das vor allem für Entwickler interessant ist: “Unter der Haube liegt allerdings die wohl interessanteste Neuerung für Anhänger offener Standards: Neben den Klassischen C, C++, C#/.NET und Visual Basic steht jetzt erstmals HTML 5 mit CSS und Javascript gleichberechtigt als Basis für Entwickler bereit. Geht es nach dem Willen Mcrosofts, sollen Programmierer vorzugsweise in HTML 5 und den mit Windows 8 gelieferten Tools Apps für die Metro-Oberfläche schreiben. Dafür kommt mit Visual Studio Express 11 ein Werkzeug mit WYSIWYG-Funktionen.”

ZDNet.de stellt die Unterstützung von ARM-Prozessoren sowie ein neues Entwicklerprogramm von Nvidia in den Mittelpunkt: “Windows 8 ist das erste Betriebssystem von Microsoft, das auch für die ARM-Architektur vorliegen wird. Der Konzern erhofft sich dadurch eine Zukunft am Tablet-Markt. Schon bei der Entwicklung von Vista (Codename Longhorn) soll es eine ‘LongARM’ genannte Version gegeben haben. Außerdem hatte Microsoft im vergangenen Jahr ein Lizenzabkommen mit ARM unterzeichnet, ohne zu dem Zeitpunkt Details seiner Pläne zu verraten.

‘Mit seiner eleganten Benutzeroberfläche und der Unterstützung von Tablets und Notebooks mit ARM-basierten Prozessoren wird Windows 8 einen wichtigen Meilenstein bei Betriebssystemen setzen’, hofft Jeff Fisher, Senior Vice President der PC Business Unit bei Nvidia. ‘Durch unser Know-how im Umfeld von ARM- und x86-Systemen und unsere Expertise im Windows-Bereich sind wir für die Unterstützung von Windows-8-Entwicklern prädestiniert.’”

Die Computerwoche beschäftigt sich mit der Verbindung zwischen Neuheiten und Kompatibilität: Windows 8 soll der dramatischste Versionssprung seit Windows 95 werden. Die neue Plattform hat sich radikal von der altbekannten Oberfläche mit Startbutton und Taskleiste verabschiedet und nimmt stattdessen kräftig Anleihen bei Microsofts Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Für einzelne Anwendungen wie dem Office-Paket oder dem Internet Explorer 10 soll die alte Umgebung allerdings weiter verfügbar bleiben. Alle Programme, die unter Windows 7 laufen, lassen sich auch auf Windows 8 nutzen, erklärte Sinofsky.

Die Macwelt macht sich mehr Gedanken um die Zukunft: “Microsoft geht offenbar davon aus, dass klassische PCs in der Zukunft nicht mehr im Fokus der Nutzer stehen. Bei der Vorstellung von Windows 8 deutet sich an, dass Touchbedienung und Geräte im Tablet-Format bald dominieren werden.”

Computerworld.ch gibt ein Beispiel für die Verbindung zwischen Windows 8 und der Cloud: “Nichts ist lästiger als sämtliche Einstellungen neu vorzunehmen, wenn ein neuer Computer eingerichtet wird. Auf den ersten Blick wird diese Arbeit noch aufwändiger, wenn bald auch noch jede «Kachel» auf dem Windows-8-Startbildschirm abermals neu konfiguriert werden muss. Dieser Aufgabe nimmt sich in Zukunft das Betriebssystem an. Es sichert automatisch alle Einstellungen in einem geschützten Speicherbereich auf Windows Live. Dort meldet sich der Anwender nach einem Systemwechsel von seinem neuen PC aus an und bekommt die Konfiguration zurückgespielt.”

HP plant Tablet PC unter Windows

Es ist erst wenige Wochen her, als HPs Chef Leo Apotheker nach nur 46 Verkaufstagen das Aus für das HP Touchpad verkündete. Jetzt rudert Todd Bradley, Vize-Präsident der Personal Systems Group bei HP, in einem Interview mit dem Wall Street Journal zurück. Er erläuterte, dass HP plane, neue Tablet PCs und Tablets zu entwickeln. Allerdings werden diese nicht mit HPs eigenem Betriebssystem WebOS ausgestattet sein, sondern mit Windows und Android.

Nachdem HP mit dem HP Slate 500 bereits einen Tablet PC unter Windows auf den Markt gebracht hatte, könnte beim Beobachter jetzt der Eindruck entstehen, dass HP zukünftig verstärkt im Tablet-Markt mitspielen möchte – sowohl unter Windows für den Business-Bereich als auch mit Android bei den Privatanwendern. Bis dahin steht dem Unternehmen aber noch eine Menge Arbeit ins Haus – während das Angebot bei den Tablet PCs unter Windows derzeit recht übersichtlich ist, sieht sich HP auf dem Android-Markt einer großen Konkurrenz gegenüber. Wie die Company sich gegenüber dieser Konkurrenz abheben will, um auch hier ein Bein auf den Boden zu bekommen, bleibt abzuwarten.